Der Kaffee, der Bäcker und eine sehr spontane Fähre

Am nächsten Morgen um sieben stand ich in einer fremden Küche und erlebte einen Zusammenbruch der Grundversorgung.
Kein Kaffee.
Ich möchte das nicht relativieren. Die Wohnung hatte alles: Herd, Kühlschrank, Geschirr, Töpfe, einen Wasserkocher. Was sie nicht hatte, war irgendetwas, aus dem sich Kaffee machen ließ. Keine Maschine, keine Kanne, kein Pulver, keine Kapsel, nichts.
Ich habe die Schränke aufgemacht, einen nach dem anderen, und hinter den Töpfen nachgeschaut. Lisa lag noch im Bett und hat vom Nebenzimmer aus die Lage kommentiert. Sie jammerte und schimpfte, und sie hatte recht. Ich zitiere nicht.
Gelöst hat es ein Bäcker im Ort, den wir nicht angesteuert haben. Wir sind einfach losgefahren, nach dem Motto: lass mal was finden. Fünf Minuten mit dem Motorrad, ein Tresen, eine Maschine, ein Mann, der um kurz nach sieben einen Espresso macht, den man im Stehen trinkt. Der Kaffee war gut - vermutlich, weil es Kaffee war, in der Not. Dazu ein Gebäck, irgendwas Blätterteigartiges. Gut, aber nichts Besonderes.
Nach Süden, aber wie weit
Und dann saßen wir da, satt und wach, und hatten immer noch keinen Plan.
Nach Süden - beschlossen. Wie weit - offen. Montenegro - theoretisch. Dubrovnik - wahrscheinlicher. Und zwischen uns und beidem lagen mehrere hundert Kilometer Küstenstraße, die schön ist, aber im Hochsommer über weite Strecken aus Wohnmobilen und Ungeduld besteht. Und danach? Dieselbe Straße wieder zurück? Dazu kam ein Freund in Italien, den ich zu lange nicht gesehen hatte, und irgendwo dahinter das Stilfser Joch.
Gesagt hat es Lisa.
„Und wenn wir die Fähre nach Italien nehmen?“
Es folgte eine Pause von etwa acht Sekunden, in der ich alle Argumente dagegen durchgegangen bin. Es gab keine. Das ist der Vorteil einer Reise mit genau einer Bedingung - die Bedingung war erfüllt. Alles Weitere war Zugabe, und Zugabe darf sich ändern.
Also: Fähre nach Ancona.
Sie legt in Split ab, und von Pag nach Split sind es 210 Kilometer. Auf diesen 210 Kilometern war: nichts. Mondlandschaft, verlassene Bungalowsiedlungen, kein Hotel. Ich bin an diesem Tag beinahe den Hitzetod gestorben.
Was jetzt kam, war der unwürdigste Teil der ganzen Reise, und ich beschreibe ihn ausführlich, weil ihn jeder erlebt und ihn niemand aufschreibt.
Wo, um alles in der Welt, bekommt man in einem kroatischen Hafen ein Fährticket?
Nicht online, wenn die Fähre in vierzig Minuten ablegt. Nicht am Terminal, das aussieht wie ein Terminal. Es gibt ein Gebäude, in dem eine Reederei sitzt, die nicht deine ist. Es gibt einen Container mit einem Schild in vier Sprachen, von denen keine mehr aktuell ist. Es gibt einen Schalter, der um diese Uhrzeit nicht besetzt ist, und einen zweiten, der besetzt ist, aber Katamarane verkauft. Es gibt drei Agenturen in Hafennähe, von denen zwei genau das machen, was du brauchst, und keine von außen erkennbar ist.
Wir sind in voller Montur bei zweiunddreißig Grad im Kreis gelaufen, hundert Meter hin und her zwischen Betonpollern, und mit jeder Runde wurden es weniger Minuten. Am Ende hat uns ein Mann, der Zigaretten verkaufte, mit dem Finger auf die richtige Tür gewiesen. Es war eine Glastür in einem Hafengebäude, und von außen war nicht zu erkennen, dass dahinter ein Fährbüro sitzt.
Zehn Minuten später hatten wir zwei Tickets.
Ohne Kabine.
Deck statt Kabine
Kabinen buchen die Leute, die planen. Wir hatten nicht geplant. Wir hatten Deck. Freiluft, Liegestuhl wenn man schnell ist, Boden wenn nicht, eine Nacht lang quer über die Adria.
Im Moment der Buchung hielt ich das für einen akzeptablen Kompromiss. Um drei Uhr nachts hatte ich eine andere Meinung.
Die Auffahrt aufs Autodeck war meine erste. Stahlrampe, öliger Belag, Steigung, ein Mann mit Handzeichen aus einer fremden Sprachfamilie. Verzurrt hat das Fährpersonal, und daran gab es nichts zu bemängeln.
Der Abend an Deck war schön. Wirklich. Warm, Wind, Lichter der Küste, die kleiner werden. Zwei Liegen zwischen lauten Familien mit Kindern, und irgendwann eingeschlafen.
Die Nacht war weniger schön. Bis drei Uhr haben wir an Deck geschlafen. Dann wurde es zu kalt und zu nass, und wir sind nach drinnen gezogen, in die Lobby, auf den Fußboden.
Tag 4 in Zahlen
| Was | Wert |
|---|---|
| Strecke | 210 km, dazu die Nachtfähre |
| Von - nach | Insel Pag - Split, abends mit der Fähre nach Ancona |
| Pässe und Höhe | Hinterland, kein Pass |
| Länder | Kroatien, in der Nacht auf See Richtung Italien |
| Fähre | Split - Ancona, Deck ohne Kabine |
| Übernachtung | an Deck bis drei Uhr, dann in der Lobby auf dem Fußboden |

